Das Weltproletariat

Wir veröffentlichen hier einen Auszug aus der Broschüre „Globale Klassenkämpfe (2008-2013)“ über das Weltproleteriat. Die Broschüre könnt Ihr für 5-€ (inkl. Porto) über Onlinemarktplatz für Bücher booklooker.de bestellen.

VW Südafrika
Arbeiter in Südafrika streiken vor dem Volkswagen-Werk in Uitenhage(Keystone). Aug. 2013

Das Weltproletariat bilden alle Menschen, die keine Produktionsmittel besitzen und auch sonst über kein Waren- oder Geldkapital verfügen und keine privilegierte/repressive Stellung in der kapitalistischen Arbeitsorganisation oder in Staatsapparaten einnehmen. Proletarität als Getrenntsein von den Produktionsmitteln und anderen Möglichkeiten sich selbständig biosozial zu reproduzieren ist ein weites soziales Feld. Das globale Proletariat verdichtet sich in seinem Kern zur Klasse – der ArbeiterInnenklasse – und läuft in real nichtarbeitenden Schichten aus.
Die doppelt freien LohnarbeiterInnen sind frei von Produktionsmitteln und frei von Waren- und Geldkapital. Außerdem verfügen sie über eine freie bürgerliche Persönlichkeit. Das Wesen der freien Persönlichkeit ist bei allen Menschen im Weltkapitalismus die freie Marktindividualität, die völlig von der Ware-Geld-Beziehung beherrscht wird. Die Ware-Geld-Beziehung ist eine totalitäre Herrschaft der Märkte über die Menschen. Sie ist ein Ausdruck von Produktions- und Austauschverhältnissen, die nicht von den Menschen beherrscht wird, sondern welche die Menschen beherrschen. Die Ware-Geld-Beziehung entwickelte sich schon vor dem Kapitalismus, doch erst in dieser wird sie zur alles durchdringenden und beherrschenden Macht. Fast alle Produkte werden in einer kapitalistischen Gesellschaft nur deshalb hergestellt, um sie gegen Geld tauschen zu können. Das Geld ist nichts anderes als der verselbständigte Tauschwert der Warenwelt. Verkaufen beziehungsweise vermieten, um selbst die Mittel zur Bedürfnisbefriedigung kaufen zu können –das ist das alles beherrschende Prinzip der Ware-Geld-Beziehung.
In der kleinbürgerlichen Warenproduktion produzierten und produzieren städtische HandwerkerInnen und ländliche KleinbäuerInnen noch selbständig mit eigenen Produktionsmitteln. In der kleinbürgerlichen Warenproduktion wird nur sporadisch und keimhaft die Lohnarbeit ausgebeutet (siehe dazu das Kapitel I.3). Doch mit der Herausbildung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse trennen sich durch einen längeren historischen Prozess der Besitz an den Produktionsmitteln und die Arbeit an ihnen. Die doppelt freien LohnarbeiterInnen sind frei von Produktionsmitteln, sie können also keine Produkte für sich selbst oder für den Markt herstellen. Aber fast alle wichtigen Produkte gibt es nur im Austausch gegen Geld. Die doppelte Freiheit des Proletariats führt also nicht gerade selten zu Hunger, Durst und Obdachlosigkeit – wenn die proletarisierten Menschen ihre Marktfreiheit nicht dazu benutzen können, um ihre eigene Arbeitskraft an das Kapital, das KleinbürgerInnentum oder den Staat für eine bestimmte Zeit zu vermieten. Während der Lohnarbeit bestimmen nicht die LohnarbeiterInnen sondern die MieterInnen ihrer Arbeitskraft den Produktionsprozess. Die doppelte Freiheit zwingt also die proletarisierten Menschen dazu, in einen nicht von ihnen bestimmten Produktionsprozess einzutreten. Sie müssen ihre eigene Haut zu Markte tragen, welche dann im Produktionsprozess in der Regel ordentlich gegerbt wird. Es ist also der stumme Zwang der Ware-Geld-Beziehung, der aus proletarisierten/eigentumslosen Menschen LohnarbeiterInnen macht. Er macht aus proletarischen Marktsubjekten Ausbeutungsobjekte und aus Ausbeutungsobjekten wieder Marktsubjekte.
Es gibt zwei Klassen von Lohnabhängigen. Jene Klasse, deren Angehörige privilegierte beziehungsweise repressive Funktionen im Produktionsprozess, Handel, Finanzwesen und in den Staatsapparaten ausüben, bilden das lohnabhängige KleinbürgerInnentum, was wir im Kapitel I.3genauer unter die Lupe nehmen werden. Alle anderen Lohnabhängigen bilden die ArbeiterInnenklasse. Die ArbeiterInnenklasse besteht wiederum aus verschiedenen Schichten. Die weltweit größte Schicht der globalen ArbeiterInnenklasse ist die Schicht der mehrwertproduzierenden Lohnabhängigen. Diese Schicht produziert den Mehrwert, von dem die Weltbourgeoisie lebt, die wir im Kapitel I.2 genauer analysieren wollen. Um die Ausbeutung des Weltproletariats durch Kapitale und Staaten darzustellen, brauchen wir hier nur zwei Schichten der Weltbourgeoisie schemenhaft darstellen, die KapitalistInnen als ProduktionsmittelbesitzerInnen und die regierenden BerufspolitikerInnen als Personifizierung der Staatsapparate.
Stellen wir nun kurz die Ausbeutung der mehrwertproduzierenden Schichten des Proletariats dar. Der Preis einer Ware ist der Geldausdruck ihres Tauschwertes. Hinter dem Tauschwert einer Ware verbirgt sich ihre durchschnittliche gesellschaftlich notwendige Herstellungszeit. Selbstverständlich sind Werte und Preise nicht identisch. Der Preis einer Ware wird auch durch Angebot und Nachfrage auf dem Markt bestimmt, er schwankt also über oder unter dem Wert. Während des Produktionsprozesses übertragen die mehrwertproduzierenden LohnarbeiterInnen den Wert der Produktionsmittel auf das neu entstehende Produkt. Der Wert des Arbeitsgegenstandes (Rohstoffe und Halbfabrikate) und Hilfsstoffe geht ganz und auf einmal in den Wert des neuen Produktes ein, während der Wert der Arbeitsmittel (Werkzeuge, Maschinen und Fabrikgebäude) nach und nach während ihrer durchschnittlichen Lebensdauer auf das Produkt übertragen wird (Abschreibung). Doch die mehrwertproduzierenden LohnarbeiterInnen übertragen nicht nur den Wert der Produktionsmittel auf das Produkt. In der gleichen Zeit produzieren sie auch neuen Wert. Ein Teil des Neuwertes entspricht dem Mietpreis ihrer Arbeitskraft, dem Lohn. Der Teil des vom Proletariat produzierten Neuwertes, der ihren Lohn übersteigt, ist der Mehrwert, den sich die Bourgeoisie aneignet. Das Verhältnis zwischen Löhnen und dem Mehrwert ist die Mehrwertrate, die gleichzeitig die Ausbeutungsrate der den Mehrwert produzierenden ProletarierInnen ist.
Doch nicht nur die KapitalistInnen eigenen sich den Mehrwert an, ein Teil des Mehrwertes wird auch vom Staat angeeignet, dem ideellen Gesamtkapitalisten und Gewaltapparat der Bourgeoisie (siehe dazu auch die Kapitel I.2 und II.4). Die hohen regierenden BerufspolitikerInnen sind als ManagerInnen des Staates Teil der Bourgeoisie. Im Privatkapitalismus sind staatliche Firmen in der Regel die Ausnahme. Hier eignet sich der Staat größtenteils einen Teil des Mehrwertes über die Besteuerung der KapitalistInnen und LohnarbeiterInnen an (die KleinbürgerInnen lassen wir der Einfachheit halber aus der Analyse fallen). Die Lohnsteuern, welche die ArbeiterInnen zahlen, sind von diesen direkt für den Staat produzierter Mehrwert. Die Besteuerung des kapitalistischen Gewinnes ist die indirekte staatliche Aneignung eines Teiles des von der ArbeiterInnenklasse ursprünglich für die KapitalistInnen produzierten Mehrwertes. Bei der staatlichen Besteuerung des Konsums von ArbeiterInnen verwandelt sich ein Teil ihres Lohnes in staatlich angeeigneten Mehrwert, während bei der Besteuerung des Konsums der KapitalistInnen der Mehrwert aus privater in staatliche Hand umverteilt wird.
Im so genannten „Sozialismus“, den es in Osteuropa gab und es noch rudimentär in Asien und auf Kuba gibt, eignet sich der Staat direkt den Mehrwert über verstaatlichte Betriebe an. Die LohnarbeiterInnen waren und sind in diesem „Sozialismus“ ebenfalls von den Produktionsmitteln getrennt, die Staatseigentum – also Staatskapital – bilden. Die nicht mehr und die noch existierenden „sozialistischen“ Staaten beuteten und beuten also die ArbeiterInnenklasse aus, die gezwungen war und ist, ihre Arbeitskraft an den Staat zu vermieten. Die herrschende Partei- und Staatsbürokratie eignete sich den von der ArbeiterInnenklasse produzierten Mehrwert an. Der „real existierende Sozialismus“ war und ist also nichts anderes als Staatskapitalismus. Die jetzigen noch existierenden staatskapitalistischen Länder befinden sich mehr oder weniger ausgeprägt auf dem Weg in den Privatkapitalismus. Entgegen der marxistisch-leninistischen und trotzkistischen Ideologie herrschte und herrscht nicht das Proletariat in den staatskapitalistischen Nationen, sondern dieses wurde sozialökonomisch und politisch ausgebeutet und unterdrückt.
Zum mehrwertproduzierenden Proletariat gehören weltweit die IndustriearbeiterInnen, die Lohnabhängigen in der Landwirtschaft und große Teile des Dienstleistungsproletariats. Die Teile des Dienstleistungsproletariats, die Tauschwert und Mehrwert produzieren, müssen von denen unterschieden werden, die das nicht tun. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass alle ProletarierInnen im privaten Dienstleistungssektor außerhalb des Handels, des Finanzsektors und in der Verwaltung Mehrwert produzieren. Beschäftigen wir uns zuerst mit den Teilen des Dienstleistungsproletariats, die Mehrwert produzieren. So produziert zum Beispiel ein lohnabhängiger Koch in einem Restaurant Tauschwert und Mehrwert, weshalb er zur mehrwertproduzierenden Schicht der ArbeiterInnenklasse zu zählen ist. Auch ein Lokomotivführer der noch zur hundertprozentigen staatlichen Aktiengesellschaft Deutsche Bahn AG produziert die Ortsveränderung von A nach B zu einem gepfefferten Preis mit einem entsprechenden Mehrwert – auch wenn die Mehrwertproduktion durch staatliche Zahlungen stark subventioniert wird.
Dagegen produziert die Kassiererin in einem Supermarkt genauso wenig Tauschwert oder Mehrwert wie alle ihre vom Handel eingestellten KollegInnen und die lohnabhängigen Bankangestellten. Die kommerziellen Lohnabhängigen des Kapitals realisieren den Mehrwert für die Bourgeoisie, indem sie die Transformation des Warenkapitals zu Geldkapital durch den Verkauf von Produkten organisieren. Das Bankkapital wird nicht direkt durch die von ihm bezahlten Lohnabhängigen vermehrt. Der Teil des Mehrwertes, von dem die Finanzbourgeoisie lebt, ist der Zins. Den bekommen sie dafür, dass sie Geld entweder an KonsumentInnen oder an KapitalistInnen verleihen. Verleiht eine Bank einen Kredit an einen proletarischen Konsumenten oder eine proletarische Konsumentin, dann sind die Zinsen Teil des Lohnes und Abzug des proletarischen Konsumtionsfonds. Bankkredite an die ArbeiterInnenklasse verwandeln also einen Teil des Lohnes in Mehrwert für das Bankkapital. Das stellt eine kapitalistische Ausbeutung des Proletariats außerhalb des Produktionsprozesses dar. Bankkredite an die KapitalistInnen, damit diese mehr Fabriken bauen und mehr ArbeiterInnen ausbeuten können, helfen das produktiv angelegte Kapital zu vergrößern. Die Zinsen, welche die Industriebourgeoisie dafür an die Banken zahlen, sind Teil des von „ihrer“ ArbeiterInnenklasse produzierten Mehrwertes, den sich die Finanzbourgeoisie aneignet. Die Lohnabhängigen der Banken realisieren durch ihre Arbeit diese Aneignung von einem Teil des Mehrwertes durch die Finanzbourgeoisie. Sie produzieren keinen Mehrwert, sondern sie werden aus dem Mehrwert bezahlt. Je geringer sie bezahlt werden, umso größer ist der Teil des Mehrwertes, den sich die Finanzbourgeoisie aneignen kann. Auch die Lohnabhängigen welche die Mehrwertproduktion und -realisation verwalten beziehungsweise vermitteln, wie zum Beispiel Bürokräfte und Werbefachleute, produzieren keinen Mehrwert, sondern die Bezahlung ihrer notwendigen Tätigkeit vermindert den Mehrwert.
Staatliche Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten und zu deren Funktion notwendige Lohnabhängige werden ebenfalls aus dem Mehrwert und dem Soziallohn der ArbeiterInnen bezahlt. Zum Soziallohn gehören zum Beispiel in Deutschland die Versicherungsbeiträge – sowohl der Teil, der vom Bruttolohn der ArbeiterInnen abgezogen wird als auch jener, den die KapitalistInnen für ihre ArbeiterInnen einzahlen. Die Dienstleistung einer Krankenschwester in einem staatlichen Krankenhaus wird sowohl aus Steuern als auch aus Versicherungsbeiträgen der Krankenkassen finanziert. Zwar müssen in staatlichen Kindergärten die Eltern Gebühren für die Betreuung ihrer Kleinen zahlen, aber diese decken nicht den Tauschwert dieser Dienstleistung, weshalb durch diese Gebühren der Staat auch kein Mehrwert realisiert und die Kindergärtnerin keinen produziert. Ähnliches ist über die Studiengebühren an deutschen Hochschulen zu sagen. Die allgemeine Schulbildung der Kinder an staatlichen Schulen wird durch Steuern finanziert. Indem auch die Schulbildung von ArbeiterInnenkindern aus Steuern finanziert wird, fließt ein Teil des von der ArbeiterInnenklasse produzierten Mehrwertes zu dieser zurück und bildet einen Teil des Soziallohnes.
Alle Lohnabhängigen in staatlichen Krankenhäusern, Kindergärten, Schulen und Behörden, die Dienstleistungen für die Bevölkerung produzieren, werden also in erster Linie aus Mehrwert bezahlt, den sie selbst nicht produzieren. Aber ihre Ausbeutung trägt dazu bei, diese Abzüge vom gesamtwirtschaftlichen Mehrwert gering zu halten oder sogar noch weiter zu reduzieren. Die vom Staat eingestellten Lohnabhängigen, die keinen Mehrwert produzieren, bilden die Schichten der staatlich dienenden Lohnabhängigen. Bei diesen können wir zwischen einer proletarischen und einer kleinbürgerlichen Schicht unterscheiden. Krankenschwestern und Kindergärtnerinnen gehören zur ArbeiterInnenklasse, während UniversitätsprofessorInnen und LehrerInnen wegen ihrer privilegierten Stellung und ihrer wichtigen sozialen Rolle bei der Reproduktion der bürgerlichen Ideologie zu den lohnabhängigen KleinbürgerInnen zu zählen sind (siehe Kapitel I.3).
Nun gibt es allerdings auch private Krankenhäuser, Schulen, Knäste und sogar Militärfirmen, in denen die Lohnabhängigen für die Bourgeois, die ihr Kapital in diesen privatkapitalistisch organisierten Dienstleistungssektor angelegt haben, soviel Tauschwert produzieren, der einen Mehrwert enthält. Das Dienstleistungsproletariat und die lohnabhängigen KleinbürgerInnen im privatkapitalistisch organisierten Dienstleistungssektor produzieren also Mehrwert.
Von diesen LohnarbeiterInnen im privaten Dienstleistungssektor müssen wir die privat dienenden Lohnabhängigen unterscheiden. Dass sind alldiejenigen ProletarierInnen, die in den Privathaushalten von Bourgeois und KleinbürgerInnen ausgebeutet werden. Sie produzieren keinen Tauschwert weil sie keine Waren produzieren, infolgedessen auch keinen Mehrwert als einen Teil des Tauschwertes. Sie produzieren nützliche Eigenschaften, also Gebrauchswerte wie zum Beispiel Reinigungskräfte eine saubere Privatwohnung. Die privat dienenden LohnarbeiterInnen werden entweder aus dem Mehrwert der Bourgeoisie und kapitalbesitzenden KleinbürgerInnen oder aus dem Gehalt von kleinbürgerlichen Lohnabhängigen und ManagerInnen bezahlt. Ihre Ausbeutung dient dazu, die für die Bezahlung ihrer Dienste nötigen Teile des Mehrwertes beziehungsweise des Gehaltes möglichst gering zu halten oder sogar noch zu verringern.
Zu den doppelt freien LohnarbeiterInnen gehören also mehrwertproduzierende, mehrwertrealisierende und die Mehrwertproduktion und -realisation verwaltende ProletarierInnen, privat oder staatlich dienende Lohnabhängige und das von Privatfirmen ausgebeutete Dienstleistungsproletariat. Die doppelt freien LohnarbeiterInnen bilden den Kern der globalen ArbeiterInnenklasse und des Weltproletariats. Die linken KleinbürgerInnen (siehe zur Charakterisierung der kleinbürgerlichen politischen Linken Kapitel I.3) von der politischen österreichischen Organisation Linkswende gehen von rund weltweit 800 Millionen doppelt freien LohnarbeiterInnen im frühen 21. Jahrhundert aus. Davon lebten, arbeiteten und kämpften 2009 in den hochentwickelten OECD-Industriestaaten 87,6 Millionen in der Industrie, 307,6 Millionen im Dienstleistungssektor und 5,8 Millionen in der Agrarwirtschaft. Insgesamt gab es also 2009 in den hochentwickelten OECD-Industriestaaten 401 Millionen LohnarbeiterInnen. Linkswende geht auch von ungefähr 400 Millionen LohnarbeiterInnen in den Entwicklungs- und Schwellenländern aus. Ergibt also nach Adam Ries 801 Millionen Lohnabhängige.
An den oben genannten Zahlen wird auch deutlich: Im Verlauf der kapitalistischen Entwicklung steigt während der ursprünglichen Industrialisierung das Industrieproletariat absolut und relativ stark an, nimmt dann aber bei zunehmender Intensivierung der Produktion und deren steigender Produktivität/Intensität und produktivem Kapitalexport in Niedriglohnländer absolut und relativ zum Dienstleistungsproletariat ab. Die Deindustrialisierung nimmt noch zu wenn Nationalkapitale immer mehr Weltmarktanteile an die internationale Konkurrenz verlieren. In den USA ist die Deindustrialisierung aus allen drei genannten Gründen von allen klassischen Industriestaaten am weitesten vorangeschritten. So arbeiteten Mitte 2009 in der US-Industrie gerademal 9 Prozent aller nichtagrarisch Beschäftigten, während im US-Gesundheitssektor 12 Prozent arbeiteten. Im Jahre 1989 betrug der Anteil der in der Industrie Beschäftigten an der gesamten nichtagrarischen Beschäftigung noch 17 Prozent. Auch in Deutschland gab es einen relativen Rückgang des Industrie- gegenüber dem Dienstleistungsproletariat, aber das Industrieproletariat schmolz weder absolut noch relativ so stark zusammen wie in den USA. In der BRD lag 1970 der Anteil der Industriebeschäftigten an der Gesamtbeschäftigung – einschließlich den in der Landwirtschaft Beschäftigten – bei 49,4 Prozent (bei einem schätzungsweisen Anteil an der nichtagrarischen Beschäftigung von 46 Prozent). 1989 war der Anteil der Industriebeschäftigten an der nichtagrarischen Gesamtbeschäftigung auf 41,2 Prozent gesunken. Nach der BRDigung der DDR und der weitgehenden Deindustrialisierung Ostdeutschlands lag dieser Anteil 1995 dann bei 33,5 und 2005 bei 26,5 Prozent.
Neben den doppelt freien LohnarbeiterInnen, die durch den stummen Zwang der Verhältnisse dazu gebracht werden ihre Arbeitskraft an Kapital, KleinbürgerInnentum und Staat zu vermieten, besteht das Weltproletariat noch aus Millionen unfreier ArbeiterInnen, wie auch durch folgenden Zeitungsartikel vom Oktober 2013 deutlich wird:
„Weltweit gibt es schätzungsweise 29,8 Millionen unter sklavenähnlichen Bedingungen lebende Menschen. Hauptproblemländer sind dabei Mauretanien, Haiti, Pakistan, Indien und China. Dies ist der Extrakt des globalen Sklaverei-Index, den die Stiftung Walk Free Foundation am Donnerstag (den 17. Oktober 2013) vorgestellt hat. Mit ihrer umfangreichen Datensammlung, die Recherchen zu 162 Länder umfasst, geht die Organisation in ihrer Annahme zur Gesamtzahl noch um ein Drittel über die bisherigen Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hinaus. Die hatte in ihren jüngsten Statements von etwa 21 Millionen Betroffenen gesprochen.
Zwangsarbeit, Zwangsprostitution, Zwangsheirat, Kindersoldaten sowie Menschenhandel sind die wichtigsten Punkte, aus denen sich der Index der Zusammenstellung speist. Die Länderstatistik lässt sich dabei aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln lesen. Das eine ist die Ranking nach der absoluten Zahl derartig unterdrückter Menschen, das andere die Aufstellung nach dem Anteil an der Gesamtzahl der jeweiligen Bevölkerung. Bei letzterem erscheint das westafrikanische Mauretanien auf dem Spitzenplatz. Dort haben sklavenähnliche Verhältnisse eine lange Tradition und betreffen mit 140 000 bis 160 000 Personen rund vier Prozent aller 3,8 Millionen Einwohner. Zwangsarbeit und Zwangsverheiratung von Minderjährigen sind dort an der Tagesordnung. Das trifft auch auf Haiti zu. Das mit Abstand ärmste Land der Karibik hat gut zehn Millionen Einwohner – und damit mindestens 200 000 Sklaven.
In beiden Aufstellungen auf Platz drei landet Pakistan mit zwei bis 2,2 Millionen Menschen in Sklaverei bei insgesamt 179 Millionen Einwohnern. Abseits etlicher anderer Faktoren konstatiert Walk Free, dass die Flüchtlingsströme im Land selbst sowie aus dem benachbarten Afghanistan viele Menschen entwurzelt und entrechtet haben, was die Etablierung extrem ausbeuterischer Verhältnisse begünstigt.
Geht es nach den absoluten Zahlen, führen die beiden Bevölkerungsgiganten aus Asien die Länderliste an. Indien steht dabei mit 13,3 bis 14,7 Millionen Sklaven an der Spitze. China folgt mit 2,8 bis 3,1 Millionen auf solche Weise Unterdrückten. Nimmt man zu diesen beiden und Pakistan noch Nigeria, Äthiopien, Russland, Thailand, die Demokratische Republik Kongo sowie Myanmar und Bangladesch auf den nächsten Plätzen hinzu, so konzentrieren sich allein auf diese zehn Staaten 76 Prozent aller Menschen in moderner Sklaverei.
Auch in Thailand als Nummer sieben spielen Menschenhandel und sklavenähnliche Ausbeutungsverhältnisse eine besondere Rolle. Die Autoren der Studie verweisen unter anderem auf die Fischereiindustrie des Königreiches, die seit langem berüchtigt dafür ist, legale wie illegale Migranten aus dem benachbarten Myanmar systematisch zu knechten. Die Demokratische Republik Kongo wiederum ist sozusagen der Inbegriff eines gescheiterten und durch jahrzehntelangen Bürgerkrieg zerrütteten Staatswesens, wo Minderjährige als Kindersoldaten in besonderer Weise Opfer sind. Auch einige osteuropäische Länder wie Russland (in absoluten Zahlen) und Moldova (in relativer Betrachtung des Bevölkerungsanteils) stehen auf vorderen Plätzen.“ (Thomas Berger, 30 Millionen Menschen klagen an, in: junge Welt vom 18. Oktober 2013, S. 6.)
Auch in EU-Europa leben Hunderttausende ProletarierInnen in sklavenähnlichen Verhältnissen: „Schätzungsweise 880 000 Menschen arbeiten in der EU wie Sklaven unter der Knute von Verbrechern. (Anmerkung von Nelke: Wenn Menschen legal andere Menschen ausbeuten heißen sie „Arbeitgeber“, aber wenn bei der Ausbeutung die Legalität fehlt sind die AusbeuterInnen „Verbrecher“.) Rund 270 000 von ihnen würden sexuell ausgebeutet, heißt es in einem Ausschussbericht des Europaparlaments, über den der Spiegel am Wochenende berichtete. In der EU gibt es demnach 3600 Verbrecherorganisationen, die jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden in dreistelliger Milliardenhöhe anrichten. (Anmerkung von Nelke: In der von kapitalistischen Medienkonzernen produzierten „öffentlichen Meinung“ zählt nur der „volkswirtschaftliche Schaden“, der in Geld ausgedrückt wird. Die körperlichen und psychischen Schäden des legal und illegal ausgebeuteten Weltproletariats, interessieren nur dann etwas mehr, wenn ein kleiner Teil von ihnen durch die Staaten als ideelle Gesamtkapitalisten notdürftig „repariert“ werden müssen und diese Reparationskosten dann in Geld ausgedrückt werden. Wahrscheinlich sind bei den Schäden auch noch die den Staaten durch „illegale“ Arbeit entgangenen Steuereinnahmen mit eingerechnet.) (…) Allein mit Menschenhandel machten Verbrecherbanden einen Profit von rund 25 Milliarden Euro pro Jahr…“ (In der EU gibt es 880 000 Sklaven, in: junge Welt vom 14. Oktober 2013, S. 1.)
Die von den kapitalistischen Konzern- und Staatsmedien veröffentlichte Meinung zählt selbstverständlich die von den demokratischen Staaten organisierte unfreie Arbeit in den Knästen nicht zu den „sklavenähnlichen Verhältnissen“. Kein Wunder, wird sie doch von legalen Verbrechensbekämpfern organisiert und von „Verbrechern“ verrichtet. Die Unterworfenen der Knastarbeit bekommen für diese nur sehr wenig Geld. Weitere Formen der unfreien Arbeit organisieren auch in den Demokratien die Sozialstaaten. Auch in Deutschland macht der Staat den Erwerbslosen Angebote, die sie nur dann ablehnen können, wenn sie auf einen Teil der staatlichen Transferleistungen – die ohnehin sehr niedrig sind – verzichten „wollen“. Die werden nämlich gekürzt, wenn Erwerbslose auf bestimmte „Angebote“ der Arbeitsbeschaffung nicht eingehen. Dazu gehören neben Jobs auf dem so genannten „Ersten Arbeitsmarkt“ auch staatlich-private Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die keine doppeltfreie Lohnarbeit mehr darstellen. Das sind zum Beispiel Ein-Euro-Jobs. Aber es gibt auch noch eine Menge privater Bildungsfirmen, die nicht wenige „Maßnahmen“ organisieren, zu denen der Staat die Erwerbslosen in diesem Land verdonnern kann. Diese Bildungsfirmen bekommen vom Staat nicht wenig Geld. Zu einigen dieser Maßnahmen gehört auch noch ein Praktikum – also praktische Arbeit – bei Privatfirmen oder staatlichen Stellen. Praktikum bei einer Privatfirma heißt, dass der Staat dem Privatkapital für eine gewisse Zeit für dieses kostenlose Arbeitskräfte zur Verfügung stellt. Der Staat subventioniert dem Privatkapital die Kosten für diese Arbeitskräfte, indem die „PraktikantInnen“ während dieser unfreien Arbeit weiterhin die staatlichen Transferleistungen beziehen. Die staatlichen Transferleistungen zur Bezahlung der Arbeitskraft der PraktikantInnen sind nichts anderes als die vom Staat angeeigneten Teile des Mehrwertes, der von der ArbeiterInnenklasse produziert worden ist. Auch der Autor dieser Zeilen war während der Entstehungszeit dieser Broschüre „Praktikant“.
Die unfreien ArbeiterInnen gehören dem Proletariat und einige der ArbeiterInnenklasse an, auch wenn sie keine doppelt freien LohnarbeiterInnen sind. Zur ArbeiterInnenklasse gehören PraktikantInnen sowie andere vom „Sozialstaat“ zwangsverpflichtete Arbeitskräfte, in der Hand von „VerbrecherInnen“ Waren- und Dienstleistungen produzierende ArbeiterInnen – darunter auch Zwangsprostituierte – und KnastarbeiterInnen. Nicht zur ArbeiterInnenklasse aber zum Proletariat gehören KindersoldatInnen und zwangsverheiratete Frauen, die innerhalb der Familie ausgebeutet werden. Die Hausarbeit der zwangsverheirateten Frauen produziert in der Regel weder Tauschwert noch Mehrwert –es sei denn, dass die Frauen außerdem noch in kleinbürgerlichen Familienbetrieben ausgebeutet werden. In diesem Fall gehören sie zur ArbeiterInnenklasse, wenn sie Lohn bekommen. Ansonsten produzieren sowohl zwangsweise als auch freiwillig verheirate oder in eheähnlichen Partnerschaften lebende Hausfrauen „nur“ Gebrauchswert für sich und ihre Familie. Innerfamiliäre Hausarbeiterinnen vermieten auch nicht ihre Arbeitskraft, sondern sie geben sie aus Liebe und/oder Zwang ihren Männern und werden von einem Teil des männlichen Einkommens am Leben gehalten. Die Übergänge zwischen Zwangsheiraten und freien Partnerschaften ist sehr fließend. Auf jeden Fall wird der Löwenanteil der globalen Hausarbeit von Frauen verrichtet. Die Ausbeutung weiblicher Hausarbeit dient der biosozialen Reproduktion der ArbeiterInnenklasse. Ausbeutung und Gewalt auch innerhalb proletarischer Familien sollte nicht unterschätzt werden. Wobei SozialrevolutionärInnen individuelle Hausarbeit und Lohnarbeit grundsätzlich kritisieren und nicht „nur“, wie diese zwischen Männern und Frauen verteilt ist, wie dies der kleinbürgerliche Feminismus zu tun pflegt. Auch wenn Frauen einer Lohnarbeit nachgehen und Männer die individuelle Hausarbeit verrichten, hat das nichts sozial „Fortschrittliches“ an sich. Wenn Menschen Hausarbeit und Lohnarbeit gleichermaßen nachgehen, gehören sie selbstverständlich zur ArbeiterInnenklasse. Sicher, es gibt kein richtiges Leben im Falschen, aber uns erscheint es am zweckmäßigsten und im Rahmen des Gegebenen am progressivsten wenn innerhalb proletarischer Lebensgemeinschaften Lohn- und Hausarbeit auf die PartnerInnen gleichermaßen verteilt wird. Ausschließliche Hausarbeit individualisiert und isoliert, während die Lohnarbeit zwar entfremdete und ausgebeutete Tätigkeit ist, aber eben auch durch die Zusammenarbeit mit den KollegInnen kollektiviert und sozialisiert und in Form des proletarischen Klassenkampfes auch tendenziell progressiv aktiviert.
Wir sahen an den oben genannten Beispielen von vom Staat zur Arbeit zwangsverpflichteten Erwerbslosen wie nahtlos die Übergänge von den unfrei arbeitenden Schichten des Proletariats zu deren nichtarbeitenden Schichten sind. Angehörige dieser Schichten können oder wollen ihre Arbeitskraft nicht mehr auf den Arbeitsmärkten vermieten. Neben den Erwerbslosen gehören auch die Obdachlosen zu diesen Schichten des Weltproletariats. Dauerhaft obdachlose und erwerbslose Menschen – wenn letztere nicht gerade vom Staat zur Arbeit zwangsverpflichtet werden und auch keine Schwarzarbeit verrichten – gehören nicht der globalen ArbeiterInnenklasse an. Die zweite Einschränkung – die Schwarzarbeit – zeigt auch, wie nahtlos doppelt freie Lohnarbeit und offizielle Nichtarbeit ineinander übergehen. Offiziell gehören SchwarzarbeiterInnen zu den nichtarbeitenden Schichten des Proletariats, faktisch zur ArbeiterInnenklasse. Erwerbslosigkeit und Obdachlosigkeit kann bei proletarisierten Menschen nur kurzfristig sein, dann fallen sie nur für kurze Zeit aus der ArbeiterInnenklasse in die nichtarbeitenden Schichten des Proletariats. Bei nicht wenigen Menschen ist dieser Fall aber endgültig und sie gehören dann nur durch die Zwangsverpflichtungen des Staates oder durch Schwarzarbeit zur ArbeiterInnenklasse. Übrigens bedeutet „nichtarbeitend“ im Kapitalismus lediglich, dass die entsprechenden Menschen keiner irgendwie bezahlten Tätigkeit nachgehen. Viele Erwerbslose verrichten ehrenamtliche Tätigkeiten, die oft gesellschaftlich sehr notwendig sind, die aber im Kapitalismus keiner bezahlen will oder kann.
Rechte und linke Apologeten des Kapitalismus halten es für dessen zivilisatorische Errungenschaft, dass reichere Nationen einen Sozialstaat unterhalten, der es verhindert, dass Erwerbslose dem absoluten Elend anheimfallen, sondern stattdessen mit ein paar Almosen aus den von der ArbeiterInnenklasse produzierten und vom Staat angeeigneten Teilen des Mehrwertes abgespeist werden. Aus sozialrevolutionärer Sicht gehört es zur größten Barbarei des Kapitalismus eine Klasse von Menschen hervorzubringen zu deren Eigenschaften die Überarbeit notwendig dazugehört und gleichzeitig Menschen in das Elend der offiziellen Unproduktivität zwingt, weil ihre Arbeitskraft nicht vermietbar ist.
Der Durchschnitt der nationalstaatlichen Arbeitslosenquoten gibt statistisch den Teil der Weltbevölkerung an, der in das unproduktive Elend gestoßen wird. Dabei wird die Zahl der registrierten Erwerbslosen durch die Zahl der zivilen Erwerbstätigen plus der Arbeitslosen dividiert und das Ergebnis dann mit 100 Prozent multipliziert. Die nationalstaatlichen Arbeitslosenzahlen werden natürlich oft nach unten manipuliert, während mancher offiziell Erwerbslose durch Schwarzarbeit faktisch zur ArbeiterInnenklasse zählt. Die einzelnen nationalstaatlichen Arbeitslosenquoten sind also ungenau und geben nur ungefähr das Ausmaß des unproduktiven Elends an. Geben wir dennoch einige nationalstaatliche Erwerbslosenquoten an. So betrug die Arbeitslosenquote in Afghanistan im Jahre 2008 35 Prozent. In Deutschland betrug sie 2012 12,5 Prozent, während sie in Griechenland im gleichen Jahr bei 24,4 Prozent lag. Nun wollen wir die Entwicklung der globalen Arbeitslosenzahlen von 2008 bis 2012 angeben. Global waren 2008 175,7 Millionen Menschen offiziell arbeitslos, 2009: 198,4 Millionen, 2010: 194,6 Millionen, 2011: 193,1 Millionen und 2012: 197,3 Millionen. Wir sehen auch an Hand der mangelhaften bürgerlichen Statistik wie durch die kapitalistische Weltwirtschaftskrise ab 2008 global die Arbeitslosigkeit gestiegen ist. Besonders stark stieg die globale Arbeitslosigkeit im Jahre 2009, dem Höhepunkt der Krise, erreichte aber auch 2012 noch nicht wieder den Stand von 2008. Auch die Steigerung der Arbeitsproduktivität/Arbeitsintensität und die Verlängerung der Wochen- und der Lebensarbeitszeit steigern tendenziell die Arbeitslosigkeit, wenn sich das Kapital nicht rascher vermehrt als die Ausbeutung der LohnarbeiterInnen zunimmt.
Nach der bürgerlichen Statistik galten Ende 2012 weltweit 1,3 Milliarden Menschen als arm, 70 Prozent waren weiblich. Die obdachlosen Menschen bilden den verelendetsten Teil des globalen Proletariats. Dezember 2012 waren weltweit mehr als 100 Millionen Menschen obdachlos und über eine Milliarde Erdbewohner lebten in unzureichenden Unterkünften. Weltweit gab es Ende Dezember 2012 23 Millionen Flüchtlinge und 27 Millionen Inlandsflüchtlinge. Zur gleichen Zeit lebten mindestens 600 Millionen Menschen in Unterkünften, die gesundheitsschädlich oder sogar lebensbedrohlich waren. Nach dem Stand vom Ende 2012 starben weltweit jeden Tag ungefähr 50 000 Menschen, meistens Frauen und Kinder, wegen unzureichendem Schutz bei Umweltkatastrophen, an verschmutztem Trinkwasser und mangelnder sanitärer Versorgung. Das Leben auf der Straße ist unterdurchschnittlich kurz. In London leben obdachlose Menschen durchschnittlich 25 Jahre kürzer als die Menschen mit Obdach in Großbritannien. In den USA waren nach Zahlen vom Dezember 2012 durchschnittlich jede Nacht geschätzte 842 000 Menschen ohne Obdach. Im Jahre 2004 waren in Deutschland 272 000 Menschen obdachlos. In Australien ergab eine Volkszählung von 2001 99 900 Obdachlose.