Die „Kommunistische“ Internationale als Teil der globalen Sozialreaktion

W.I. Lenin im Präsidium des I. Kongresses der Komintern von 2 bis 6 März im Kreml, Moskau

Wir veröffentlichen hier einen Auszug aus der Broschüre „Schriften zur russischen Revolution (1917-1921)“ über der Kommunistischen Internationale. Die Broschüre „Schriften zur russischen Revolution (1917-1921)“ von Soziale Befreiung (Hg.) (ca. 113 Seiten) könnt Ihr für 5-€ (inkl. Porto) über Onlinemarktplatz für Bücher booklooker.de bestellen.

Lenin und Trotzki ideologisierten die Oktoberrevolution als Beginn der Weltrevolution. Doch das war sie objektiv nicht. Von unseren heutigen Erfahrungen ausgehend kann die globale soziale Revolution nur eine permanente Kette von Nationalstaatszerschlagungen sein. Wie konnte da die Herausbildung Sowjetrusslands als staatskapitalistische Nation Teil der Weltrevolution sein?! Objektiv war Sowjetrussland immer Teil des Weltkapitals und damit ein Feind des globalen Proletariats – unabhängig vom innerkapitalistischen Gerangel zwischen Weltbourgeoisie und der staatskapitalistischen Bürokratie Sowjetrusslands. Die Orientierung von Lenin und Trotzki auf die Weltrevolution war also durch und durch ideologisch und sozialdemagogisch, ein Selbstbetrug und Betrug am Weltproletariat.
So führte der sozialdemagogische Größenwahn der „Kommunistischen“ Partei Russlands (Bolschewiki), dass sie nicht nur die Avantgarde des russischen, sondern des gesamten globalen Proletariats sei, im März 1919 in Moskau zur Gründung der „Kommunistischen“ Internationale (auch genannt: „K“I, Dritte Internationale und Komintern). Sie bestand aus jungen „Kommunistischen“ Parteien der verschiedenen Länder als globale radikale Abspaltung der internationalen Sozialdemokratie. Die „Kommunistische“ Partei Russlands (Bolschewiki) war von Anfang an ihr beherrschender Kern. Diese Partei war zu dieser Zeit längst die politische Organisatorin der staatskapitalistischen Ausbeutung des russischen Proletariats und damit Teil der globalen kapitalistischen Konterrevolution. Wie konnte da eine von ihr dominierte Internationale anders sein als konterrevolutionär?! Die „Kommunistische“ Internationale war auch in Wirklichkeit von Anfang nichts anderes als ein Teil der globalen Sozialreaktion.
Doch sie sollte nach dem Willen von Lenin und Trotzki die Avantgarde der von ihnen erwarteten Weltrevolution sein. Wobei die beiden Oberbolschewiken sich unter „Weltrevolution“ nichts anderes vorstellen konnten als eine globale permanente Kette von „Oktoberrevolutionen“. In der Tat kam es damals am Ende des Ersten Weltkrieges nicht nur in Russland zu revolutionären Erschütterungen, sondern auch in Deutschland, Österreich, Ungarn und in Italien. Doch sie führten dort weder zum Sieg der wirklichen sozialen Revolution, noch zur Herausbildung partei-„kommunistisch“-staatskapitalistischer Regimes. Eine wirkliche Revolution gelang in diesen Ländern nicht, weil die Bourgeoisie in diesen Ländern im Gegensatz zu Russland 1917 noch zu stark und das Proletariat noch zu schwach und unreif war. Außerdem war in kapitalistischen Industriestaaten eine eigenständige staatsstreichartige Machteroberung durch die „Kommunistische“ Partei unmöglich, weil Bourgeoisie und Proletariat im Gegensatz zu Russland 1917 dort schon die beiden Hauptklassen waren und kein sozialer Spielraum für kleinbürgerlich-radikale BerufspolitikerInnen vorhanden war. Die selbständige partei-„kommunistische“ Machteroberung gegen Bourgeoisie und Proletariat war also in hoch entwickelten Industriestaaten unmöglich. Selbst wenn einer „K“P im Westen bei einer enormen Schwächung der Bourgeoisie und einem klassenkämpferischen aber pro-partei-„kommunistischen Proletariat eine „Oktoberrevolution geglückt wäre, wäre dieser Sieg nur kurz gewesen. Denn einem „Oktober“ wäre zwangsläufig ein „Kronstadt“ gefolgt. Doch ein „Kronstadt“ in einem hoch entwickelten Industriestaat wäre mit großer Wahrscheinlichkeit der Sieg der sozialen Revolution in diesem Lande als Beginn der Weltrevolution gewesen.
Die Politik der „Kommunistischen“ Parteien als Teil der Dritten Internationale innerhalb der hoch entwickelten kapitalistischen Länder war also nicht nur schon unter Lenin und Trotzki sozialreaktionär, sondern auch gemessen am Maximalziel absolut erfolglos. So konnte auch die partei-„kommunistische“ Parteibürokratie in Ostdeutschland nur durch den Sieg des sowjetischen Imperialismus im Zweiten Weltkrieg die politische Macht erobern. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Stalin-Regime schon längst die „Kommunistische“ Internationale, dieser geerbte Widerspruch aus Ideologie und Wirklichkeit des frühbolschewistischen Lenin/Trotzki-Regimes, zum Gefallen seiner damaligen antifaschistisch-demokratischen Spießgesellen des imperialistischen Krieges liquidiert. Das war im Jahre 1943. Davor leistete die „Kommunistische“ Internationale noch wichtige Hilfsdienste für den sowjetischen Imperialismus. Sie rechtfertigte Bündnisse zwischen der UdSSR und privatkapitalistischen Nationen gegen andere privatkapitalistische Nationen. So verteidigte sie das Bündnis zwischen Stalin und Hitler von 1939 bis 1941, wie sie auch für das Bündnis zwischen der Sowjetunion und den westlichen Demokratien gegen den Faschismus trommelte. Die „Kommunistische“ Internationale war als verlängerter Arm des sowjetischen Imperialismus eine ekelhafte Kriegstreiberin und die verlogenste Feindin des globalen Proletariats.